http://www.hamburg.sat1regional.de/video-hh/article/teddy-auf-dem-op-tisch-stofftiersprechstunde-am-uke-143870.html

ein Beitrag von Sat1 Regional (vom 25.04.201)

 

Operation in der Teddy-Klinik des UKE

 

Von Sandra Schäfer

 

Jonas (4) untersucht Plüschtier Fuchsi mit einer Stablampe.

Jonas (4) untersucht Plüschtier Fuchsi mit einer Stablampe.
Foto: Malzkorn

 

Operationen am Bauch sind nicht ungefährlich. Besonders wenn der Patient dort so behaart ist. Doch Doktor Schlappohr und Doktor Löwe von der Teddybärenklinik des UKE geben ihr Bestes. Denn 15 aufgeregte Besucher schauen ihnen bei der OP von Hugo auf die Finger. Wenn alles läuft wie geplant, dann haben die Kinder beim nächsten Arztbesuch gar keine Angst mehr.

 

"Wusstet ihr, dass das Blut drei Mal im Jahr Geburtstag hat?", fragt Doktor Schlappohr in die Runde. Er trägt grüne OP-Kleidung, heißt im richtigen Leben Thormen Höfler (21) und ist Medizinstudent. Die staunenden Kita-Kinder starren auf die Stoffpuppe Hugo mit dem Reißverschluss im Bauch und nicken fasziniert. "Was müssen wir jetzt als Erstes vor der OP machen?", fragt Höfler. "Einschläfern!", sagt Jonas (4). "Ja, so ähnlich, wir machen eine Narkose."

 

Dann öffnet Kommilitone Tobias Otto (24) – alias Doktor Löwe – den Bauch von Hugo und holt mit echtem OP-Besteck ein Plüschherz heraus. Sofort rufen alle Kinder: "Ein Herz!" Kurz darauf zieht Doktor Löwe etwas langes Schlangenartiges hinterher, mit einem kleinen dunklen Zipfel am Ende. "Das ist die Kaka", tönt es triumphierend von einigen Jungs. "Nein, der Blinddarm", korrigiert Doktor Löwe. "Können wir Hugo jetzt endlich wieder zumachen?", fragt ein blondes Mädchen mit Tränen in den Augen.

 

Die Augen weit geöffnet, das eigene Kuscheltier fest im Griff: Staunend beobachten die Kinder, wie Hugo, eine Stoffpuppe mit Reißverschluss im Bauch, operiert wird. Auch die Plüsch-Innereien kommen zum Vorschein.

Die Augen weit geöffnet, das eigene Kuscheltier fest im Griff: Staunend beobachten die Kinder, wie Hugo, eine Stoffpuppe mit Reißverschluss im Bauch, operiert wird. Auch die Plüsch-Innereien kommen zum Vorschein.
Foto: Malzkorn

 

"Wir wollen den Kindern mit der Teddybärenklinik die Angst vorm Krankenhaus und vor den Untersuchungen nehmen", erklärt Tobias Otto. Seit vielen Jahren schon werden Kita-Kinder von Studenten in die Fachschaftsvilla auf dem UKE-Gelände eingeladen. Jedes Kind bringt dann ein eigenes Stofftier mit und überlegt sich eine Krankheit für den Plüschliebling.

 

Gerade ist die UKE-Kita zu Besuch. "Shaun hat sich geschnitten", sagt Muriel (4) und streckt ihr Schaf vertrauensvoll Doktor Schildkröte entgegen. Die heißt im wahren Leben Marlene Schneider (21). Sie klebt ihm vorsichtig ein Pflaster auf. Shauns Beinverletzung wird geröntgt, bandagiert und dann nimmt Muriel ihn wieder in den Arm. Damit der Besuch ein süßes Ende nimmt, gibt es danach noch Medizin. Und die wird ganz anders verabreicht als üblich.

 

Doktor Schildkröte: "Damit Teddy-Medizin wirkt, musst du als Teddy-Mutter sie einnehmen." Das lässt Muriel sich nicht zwei Mal sagen und steckt die Gummibärchen-Medizin schnell in den Mund.

 

 

 

Angst nehmen, Besuche beim Arzt sind für Kinder oft mit Angst verbunden: Impfungen, Blut abnehmen und Spritzen verursachen Schmerzen, Krankenhäuser und Arztpraxen stellen für unerfahrene Patienten eine Belastung da. Häufig kommt es bei jungen Patienten zusätzlich zu einer Schmerz-Konditionierung. Von angehenden Medizinern wird heute mehr erwartet als die Aneignung von Fachwissen und Medical Skills. Auf allen Ebenen wird eine Verbesserung der Arzt/Patienten-Beziehung angestrebt. Wir möchten Teil dieser Entwicklung sein. Wir sind davon überzeugt, dass besonders das spielerische Erleben der Arzt/Patienten-Beziehung aus einer anderen Perspektive (nicht der als Patient) Kindern hilft, souveräner mit Arztbesuchen umzugehen.

Wissen vermitteln, die Kinder erfahren bei uns viel über Handlungsabläufe beim Arztbesuch. Wir beantworten den Kindern Fragen zu Diagnostik, Therapie und Aufbau/Funktionsweise des menschlichen Körpers. Zusätzlich versuchen wir gesundheitsförderndes Verhalten zu schulen, z.B. den verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten.

Selber lernen, die Kommunikation mit Patienten gehört zu den anspruchsvollsten Dingen die Studierende der Medizin erlernen müssen. Dabei stellt die Interaktion mit Kindern sogar noch eine besondere Herausforderung dar. Wir wollen angehenden Ärztinnen und Ärzten ermöglichen sich in Kontaktaufnahme und Umgang mit Kindern zu schulen. So haben Teddydocs bei uns die Möglichkeit sich im kindgerechten Erklären medizinischer Handlungen zu üben. Insofern verstehen wir uns auch als Teil der medizinischen Lehre der Stadt Hamburg.

Wir können auf eine Gruppe von über 20 ehrenamtlichen Helfern, sowie großes Interesse seitens der Hamburger Kindergärten setzen. Unsere Aktionen finden ein- bis zweimal pro Semester an zwei Tagen in der Villa Garbrecht auf dem UKE-Gelände statt. An diesen zwei Tagen wird die Villa in eine funktionstüchtige Teddybären-Klinik verwandelt, in dem es neben einem Röntgen-Apparat auch einen eigenen Operationsraum gibt. An jedem Tag ermöglichen wir mehreren Kindergartengruppen unserem Krankenhaus für mehrere Stunden einen Besuch abzustatten.

Die Kinder werden bevor sie zu uns kommen bereits in den Kindergärten auf die Aktion eingestimmt. Jedes Kind bringt ein „krankes“ Plüschtier mit, die Krankheiten reichen dabei von Knochenbrüchen bis zu Schnupfen. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass es sich um keine chronischen, unheilbaren Erkrankungen (z.B. Krebs/Diabetes mellitus) handelt. Jede Gruppe durchläuft zusammen mit den Ärzten der Teddybären-Klinik einen Parkour bei dem die Tiere mit Stethoskop, Reflexhammer, Leuchte und Röntgen-Apparat untersucht werden. Es folgt die Behandlung, bei der die Plüschtiere mit Verbänden und Pflastern versorgt werden. Knochen werden geschient und eventuell müssen Kuscheltiere „operiert“ werden. Zusätzlich gibt es schmerzstillende „Medikamente“, die nur wirken wenn der Kuscheltierbesitzer sie einnimmt. Dafür werden bei uns Gummibärchen benutzt, damit die Kinder keinen fälschlichen Bezug zu echten Medikamenten herstellen. Der Parkour endet mit der Besichtigung eines Krankenwagens. Extra hierfür versuchen wir bei jeder Aktion zwei freiwillige Sanitäter vor Ort zu haben, die den Kindern den Krankenwagen vorführen. Bei jeder Aktion bieten wir Waffeln und Getränke an (für „groß und klein“ versteht sich).

Eines der ersten Teddybären-Krankenhäuser weltweit wurde 1999 in Schweden gegründet. Die Idee fand schnell großen Anklang und bereits 1 Jahr später begannen Studierende auch in Deutschland die ersten Teddybären-Krankenhäuser zu gründen. Das 2000 erstmals in Hamburg initiierte Projekt gehörte deutschlandweit zu den ersten seiner Art. Die Teddybären-Krankenhäuser blicken inzwischen auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück, mittlerweile findet sich an jeder deutschen medizinischen Fakultät ein Teddybärenkrankenhaus, so dass im Herbst 2011 der erste TBK-Kongress an der Berliner Charité stattfand.

 

Menschen im weißen Kittel, seltsame Geräte und meist ein schmerzhafter Anlass: Der Arztbesuch kann ganz schön unangenehm sein - für viele Kinder ist er geradezu beängstigend. Um diese negativen Vorurteile abzubauen, haben Studierende der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg am UKE vor einigen Jahren die Teddybärenklinik gegründet. Dort werden Kuscheltiere von allen erdenklichen Gebrechen geheilt - und auch die kleinen Begleiterinnen und Begleiter werden von ihren Bedenken kuriert.

Max ist besorgt: Seine Plüsch-Schlange ist zu schnell durchs Unterholz geschlängelt und jetzt hat sie einen unübersehbaren Knoten. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, und so untersucht Franziska Eisner, Medizinstudentin im siebten Semester, vorsichtig die Patientin. Die Schlange wird geröntgt, erfolgreich operiert und am Ende mit heilungsfördernden Medikamenten versorgt. Gut, der Röntgen-Apparat ist eine Pappschachtel und die Medikamente sind aus Zucker, aber Max ist am Ende dennoch hochzufrieden - Schlange gesund, Kind glücklich.

(Newsletter der Universität Hamburg, März 2013)

Wusstest du schon...

6-Jährige haben es am Besten: die lachen etwa 300 Mal am Tag. Erwachsene dagegen nur noch 15-100 Mal pro Tag.